Entdeckungen zwischen Humboldt und Marx

Eine Reise nach Berlin

Manchmal bietet es sich an, Spuren zu lesen und ihnen zu folgen. Unseren Erfahrungen in Berlin kreuzte der Ausblick auf das Jahr 2019, in dem das Humboldtforum eröffnet werden sollte. Dieser Ausblick war befördert durch einen Vortrag von Rüdiger Schaper über sein neues Buch „Alexander vom Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten“ (Siedler 2018). Der Ort unseres Ausblicks war Berlin, genauer gesagt am Strausberger Platz, dort wo eine Karl-Marx-Büste steht und die gleichnamige Allee in zwei Hälften teilt. Wie Humboldt ging es auch Marx um die Betrachtung und Durchdringung der Welt, der eine eher im Schauen und Messen der Natur, der andere durch seine Kritik der politischen Ökonomie, beide in der Begegnung der großen und größer werdenden Welt, die sich durch ihre Ansätze entwickelt  haben und bis zu unserer Aktualität tiefen Einfluss nehmen.

Was lag da näher, ihren Spuren zu folgen und eine mehrtägige Exkursion im Rahmen des Montagsforums (montagsforum.at) anzubieten, um zumindest Berlins Mitte zu entdecken? Über und mit Rüdiger Schaper werden wir quasi von Humboldt selbst begleitet, sowie später dann auch von welterfahrenen und wortmächtigen Autorin Katja Lange-Müller, die uns über ihr Erleben und Schreiben den marxschen Einfluss näher bringen wird, möglicherweise ohne ihn direkt benennen zu müssen.

Eine Reise steht an, die Spuren zu neuen Schlüsseln zum Weltbegreifen – und sei es nur in Bezug auf unsere je eigenen – legen kann. Oder wie ein anderer Weltentdecker sagt: „Es ist ein Spurenlesen kreuz und quer, in Abschnitten, die nur den Rahmen aufteilen.“ (Ernst Bloch. Spuren. Suhrkamp 1969, S. 17)
Das werden wir versuchen. Etwas anderes bleibt uns im Grunde ohnehin nicht übrig. Weltentdecken. Leben. Verantworten.

Und Spass machen soll es selbstverständlich auch noch!

Voraussetzungen zur Wirksamkeit

Es ist sicher so, dass man nicht zu jeder Zeit in jedem Augenblick wirksam sein möchte – obwohl man es dennoch ist. Wirkung zu haben ist verbunden mit der festen Absicht, etwas bewirken zu wollen. Diese Absicht hält uns unter Spannung, denn zu Vielfältig sind bei genauerem Hinsehen die Gelegenheit, Möglichkeiten und auch Notwendigkeiten, um es sein zu können. Es gibt viele Themen, wo wir uns gefragt fühlen können, einen Beitrag zur Lösung einer Fragestellung zu liefern oder sich eines Themas überhaupt anzunehmen und eben nicht weg zu schauen. Dadurch, dass wir um Stellungnahme gefragt sind, sind wir gleichzeitig auch danach gefragt, wie wirksam wir sind und sein wollen. Wirkung geschieht nicht nur zufällig. Und wer sich seiner Wirkung im beabsichtigten oder in Kauf genommenen Nicht-Wirkung nicht zumindest im Ansatz bewusst ist, vergibt sich Möglichkeiten der Stellungnahme, also der Möglichkeit, nicht nur zufällig zur Wirkung zu kommen.
Wirksamkeit für sich, bezogen auf die eigene Person, ist attraktiv. Und damit anziehend und erstrebenswert. Unwirksamkeit hat die Nähe zum Gefühl des Scheiterns und ist von daher weniger wünschenswert, wenngleich eben darin viele Lernpotenziale darin steckten (ich behaupte sogar, dass im Scheitern die schnellste und nachhaltigste Form des Lernens liegt, wenngleich die Unangenehmste und nur unter der Bedingung, dass man diese Phase aushält und daraus lernen will).

Will die einzelne Person allerdings voran kommen… „Voraussetzungen zur Wirksamkeit“ weiterlesen

Jetzt

unser neuer Blogeintrag

Zuweilen ist es so, dass man von einem unvorhergesehenem Ereignis überrascht wird: z.B. ein körperlicher Zustand, der sich durch eine Krankheit oder durch einen Unfall nachhaltig ändert, eine Beziehung, die nicht mehr so „wie immer“ gelebt werden kann, ein Beruf, der unter neuen Bedingungen völlig anders ausgeführt werden soll. Mit anderen Worten: eine tatsächliche Krise taucht wie aus dem Nichts auf, die zunächst scheinbar unlösbare Fragen stellt.

Manchmal gelingt es – meist über die Zeit, durch Unterstützung und durch Wille – eine innere Distanz zur eigenen Betroffenheit zu finden und mit dieser krisenhaften Situation besser zu Recht zu kommen. Über diese mögliche, wenn auch nicht automatische eintretende Situation der Selbstdistanzierung möchte ich hier nachdenken:

….

Jetzt

Kooperation in digitalen Zeiten

 Eine Annäherung

 

I  Vorbemerkung

Immer dann, wenn wir versuchen wollen, den Anderen in seinem oder ihrem Verhalten zu verstehen, muss es gelingen, über das Wahrnehmbare, das Phänomen des Augenblicks hinauszukommen. Das liefert zumindest eine nachvollziehbare Begründung des jeweiligen Verhaltens und unsere erste Antwort muss nicht stumm bleiben, vielmehr kann es der Auftakt eines Dialogs oder einer engagierten und fruchtbaren Auseinandersetzung oder sogar der Beginn einer echten Kooperation sein.

Um über den Augenblick hinauskommen zu können, braucht es neben der Bereitschaft auch die Fähigkeit (die vom Augenblick selbst beeinflusst sein kann) der Selbstdistanzierung, also die Möglichkeit sich selbst in Relation mit anderen in einem bestimmten Zeitabschnitt – jetzt – sehen zu können. Das schafft die Grundlage eines Verstehenkönnens, nicht nur im Sinne einer weiteren Rationalisierung, sondern …

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Gegenwart

„Die Gegenwart ist im Verhältnis zur Vergangenheit Zukunft, ebenso wie die Gegenwart der Zukunft gegenüber Vergangenheit ist. Darum, wer die Gegenwart kennt, kann auch die Vergangenheit erkennen. Wer die Vergangenheit erkennt, vermag auch die Zukunft zu erkennen.“

Lü Bu We, Frühling und Herbst des Lü Bu We, S. 140. Aus dem Chinesischen übertragen und herausgegeben von Richard Wilhelm (1873-1930), Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf-Köln 1979, ISBN 3-424-00625-4

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Neulich im Zug

Seit langem mal wieder mit der Bahn gefahren. Wie früher. Die vorbei fliegenden Landschaft genießen, im Tal fast Frühling, in den Bergen tiefer Schnee. Die Häuser draußen verschwinden nach links, die Menschen drinnen auf der Suche nach einem Sitzplatz bewegen sich nach rechts, dem vorderen Ende des Zuges entgegen.

Es ist schön, mal wieder so wie früher unterwegs zu sein, nur ist es vom Komfort des Zuges und seiner Ausstattung viel angenehmer als vor ein paar Jahren, vieles hat sich weiterentwickelt.

Sichtbar mir schräg gegenüber der Hinterkopf und der rechte Arm eines mittelalten Mannes, der sitzt schon, hat seinen Platz gefunden, allein, Tisch und freier Platz vor sich. Umtriebig, ein laufender PC auf dem Tisch, den er manchmal nutzt, wie es scheint für die Bearbeitung einer Tabelle, davor ein Tablet, auf dem ein Kostümfilm läuft, dann ein Smartphone, meistens in der rechten Hand, der Daumen scrollt und tippt, dazwischen ein Kopfhörerkabel, das irgendwohin aus den Ohren hängt und mehrere Ladekabel, die von den Devices zu einer offensichtlich eigens mitgebrachten Mehrfachsteckdose führen. Eine Menge Unterstützungsequipment, alles offensichtlich notwendig zur Bewältigung seiner Alltäglichkeit.

Wir sitzen in einem Abschnitt des Wagons für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Handicaps. Ich wusste noch nicht, dass es dort auch Plätze für Menschen mit digitaler Behinderung reserviert werden.

Aber es ist großartig, dass sich die Bahn auch hier um Inklusion kümmert.

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© S. Latt

Zwischenräume

Die Ästhetik der Reihenfolge zeigt sich durch die Übergänge und Zwischenräume – im Gewahrwerden des Sowohlalsauch. Von Etwas zu Etwas, fortlaufend andauernd.

Vor allem aber in der Sehnsucht nach dem nächsten Schritt. Der sich ankündigt, folgerichtig und unvermeidbar ist, sich aber oft nicht gleich und schon gar nicht eindeutig offenbart, sondern sich vornehm finden lässt.

Die Suche erfordert Mut.

Und Zuversicht.

Und Zweifel.
Als Sorge um Bodenhaftung.

Damit ich nicht allein bleibe.

Weil es Frühling wird. In den nächsten Zwischenraum.

 

S. Latt

L1040547  Fuchs © C. Latt